05.04.2019

Gemeinsamer Frühjahrsempfang 2019

Biodiversität im Mittelpunkt des gemeinsamen Frühjahrsempfangs von Leopoldina und Freundeskreis. Biodiversität steht derzeit weit oben auf der politischen und medialen Agenda. Auch die Leopoldina befasst sich mit der biologischen Vielfalt der Gene, Arten und Ökosysteme, so auch am 5. April beim gemeinsamen Frühjahrsempfang der Nationalen Akademie der Wissenschaften und des Leopoldina Akademie Freundeskreises. Im Fokus stand die Rückkehr großer Wildtiere nach Mitteleuropa. Arten wie

Biber, Wolf und Elch, die als ausgerottet galten, finden inzwischen zurück in die Landschaft.
Prof. Dr. Tobias Kümmerle (Berlin), Alumnus der Jungen Akademie (JA), und Prof. Dr. Stephanie Kramer-Schadt (Berlin) boten einen informativen und spannenden Einblick in ihre Forschung. Sie untersuchen die Wiederbesiedlung Mitteleuropas durch verschiedene große Säuger, beleuchten das Potential dicht besiedelter Regionen als Lebensraum für die Rückkehrer sowie die Koexistenz von Mensch und Tier in Mitteleuropa und anderswo. Detailliert stellten sie die Rolle von Raubtieren am Ende der Nahrungskette dar. So reduzieren Luchs und Wolf die Bestände von Hirschen und Rehen und bewirken bei ihren Beutetieren Verhaltensänderungen – was wiederum die Regenerationsfähigkeit von Waldökosystemen befördert. Zugleich ermöglicht die Ausdehnung von Waldflächen in weiten Teilen Mittel- und Osteuropas die (Wieder-)Ansiedlung großer Pflanzenfresser wie Wisent und Elch. Dieser Vorgang wird auch durch modellgestützte Analysen untermauert. In der anschließenden Diskussion, moderiert von JA-Mitglied Dr. Christian Hof (München), galten zahlreiche Fragen der fortschreitenden Besiedlung Deutschlands durch den Wolf sowie der Notwendigkeit und den Risiken seiner Regulierung. Einig waren sich alle Anwesenden, dass es angesichts der vielfach hitzigen Debatte einer Versachlichung bedarf, die sich auf wissenschaftliche Studien und evidenzbasierte Empfehlungen stützen kann. In diesem Sinne zogen die Expertinnen und Experten das Fazit: Ein Zusammenleben von Mensch und großen Wildtieren ist möglich – das zeigen auch Entwicklungen in anderen Regionen der Welt.

Podiumsdiskussion zum Thema Rückkehr von Wolf und Wisent nach Europa. Foto: Michael Deutsch