Bausch-Stipendiatin 2021: Josephine Musil-Gutsch

"Disziplinengenese zwischen Natur- und Geisteswissenschaften: Der Chemiehistoriker Edmund von Lippmann als Pionier der Wissenschaftsgeschichte"

Der Leopoldina Akademie Freundeskreis e. V. schrieb 2021 erneut das Johann-Lorenz-Bausch-Stipendium aus. Es ist mit maximal 5.000 € dotiert und nach dem Akademie-Gründer Johann Lorenz Bausch benannt. Das Stipendium richtet sich an Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler, die im Bereich der Wissenschaftsgeschichte, im engeren wie im weiteren Sinne, wissenschaftlich tätig sind. Arbeitsort während der maximal vier monatigen Förderungsdauer ist das Leopoldina-Zentrum für Wissenschaftsforschung in Halle (Saale).

Die Biographie des Wissenschaftlers und Leopoldina-Mitglieds Edmund Oskar Ritter von Lippmann (1857-1940) zeichnet sich durch eine bemerkenswert vielschichtige Tätigkeit an der Schnittstelle von Industrie, Natur- und Geisteswissenschaften aus. Als Chemiker war Lippmann um 1900 führender Experte der Zuckerindustrie. Zeit seines Lebens war er aber auch immer Wissenschaftshistoriker, insbesondere Chemiehistoriker. Seiner wissenschaftshistorischen Tätigkeit widmete sich Lippmann ab 1925 an der Universität Halle in Vollzeit, als diese für ihn eine Professur für Chemiegeschichte schuf. Eine solche Professur war in der deutschen Wissenschaftslandschaft ein absolutes Novum. Sie markiert den Beginn der Institutionalisierung und Professionalisierung der deutschen Wissenschaftsgeschichte. Lippmanns zahlreiche wissenschaftshistorische Publikationen lassen vermuten, welchen entscheidenden Beitrag er auf dem damals jungen Feld leistete. Im Rahmen Ihres Stipendiums wird Josephine Musil-Gutsch Lippmanns Bedeutung für die deutsche Wissenschaftsgeschichte im Detail erforschen. Auch die Leopoldina spielte dabei eine wichtige Rolle: in den Sitzungen der Akademie entstand die Idee zur Berufung Lippmanns auf die Professur für Chemiegeschichte in Halle.