Politik der Vernetzung: Interessenvertretung und Naturforschung in der frühen Leopoldina

Die Bausch-Stipendiatin 2016 Julia Böttcher M.A. hat bereits im Januar ihren Forschungsaufenthalt am Studienzentrum der Leopoldina erfolgreich abgeschlossen und präsentierte nun im Rahmen eines hoch interessanten Vortrags im wissenschaftshistorischen Seminar der Leopoldina am 2. Mai 2017 ihre Ergebnisse.

Frau Böttcher forscht zum Thema "Die Politik der Vernetzung: Interessenvertretung und Naturforschung in der frühen Leopoldina". Die frühe Leopoldina nutzte als Gelehrtengesellschaft erfolgreich die spezifischen Gegebenheiten im Reich: 1652 als Academia Naturae Curiosorum gegründet, etablierten die in ihr vereinigten Mediziner binnen weniger Jahrzehnte eine stabile, unabhängige und privilegierte Einrichtung für Naturforschung. Als Ärzte vertraten sie geschickt ihre Interessen in ganz verschiedenen Feldern: innerhalb der Akademie, in Städten, an Universitäten, am Kaiserhof und in den Territorien des Reichs. Über ihren Deutungsanspruch für Themen wie Gesundheit und Hygiene, Natur und ihre Erforschung gestalteten sie die frühneuzeitliche Gesellschaft aktiv mit.

Die Mitglieder der Leopoldina sind historisch interessant als Personen, die in verschiedenen Tätigkeitsfeldern agierten, sei es politisch oder naturforschend, im städtischen oder akademischen Kontext. Die Geschichte der frühen Leopoldina bietet die geschichtswissenschaftlich wie wissenschaftshistorisch reizvolle Möglichkeit, das Verhalten ihrer Mitglieder als Akteure in den verflochtenen Aktivitätsfeldern von Naturforschung und Politik zu analysieren.

Der Vortrag beleuchtete anhand von Beispielen die Mitglieder der Leopoldina während der ersten hundert Jahre des Bestehens der Akademie. Er zeigte auf, dass sich an dieser Personengruppe untersuchen lässt, welche Elemente für das Handeln frühneuzeitlicher Gelehrter im Alten Reich kennzeichnend waren. Dabei ist es lohnend, die Perspektive der Akteure zu suchen und ihrer Eingebundenheit in vielfältige Kontexte Rechnung zu tragen. Stellt man die Frage nach ihrem alltäglichen Tun und ihren Handlungsoptionen zur Durchsetzung ihrer Ansprüche und Interessen, so richtet sich der Blick damit nicht nur auf das Handeln der Akademiemitglieder als Naturforscher und Wissenschaftspolitiker, sondern insbesondere auf ihre Aktivitäten vor Ort in ihren vielfältigen Funktionen als Stadtärzte und Lokalpolitiker.

Aufbauend auf den am Studienzentrum gewonnenen Erkenntnissen, wird Julia Böttcher dieses Thema im Rahmen ihrer Dissertation auch in Zukunft weiterverfolgen.